Ökologische Herausforderungen

Wie viele Länder in Westafrika hat die Elfenbeinküste erhebliche Brandrodung und ökologische Probleme, die in erster Linie durch die großflächige, zugunsten der Landwirtschaft durchgeführte Entwaldung verursacht wurden und werden. Neben der exportorientierten Landwirtschaft sind auch die Holzindustrie (Tropenholz für den Export), Feuerholzeinschlag und unkontrollierte Brände dafür verantwortlich, dass nur noch ein Drittel der Landesfläche mit Wald bedeckt ist. Daneben sind die Bodendegradation, die Gewässerverschmutzung und die Eutrophierung sowie die negativen Folgen für die Küstenbereiche infolge der Vernichtung der Mangrovenwälder zu nennen.

Die Nutzung großer Flächen für die immer noch bedeutende Kakao und Kaffeeproduktion, aber auch die Anlage von Palmplantagen, der Anbau von Baumwolle, Bananen und anderen Früchten hat die natürliche Vegetation sehr stark zurückgedrängt und belastet die Böden durch intensive Nutzung und den Einsatz von Dünger und Insektiziden. Dazu kommt die Nutzung durch die lokale Bevölkerung. Die Bodenerosion ist ein Problem, wenn auch weniger aufgrund des Reliefs als vielmehr in Folge der anthropogenen Übernutzung und der Erosivität der Niederschläge während der Regenzeiten. Nach der Unabhängigkeit, während des Kakaobooms, hat die Regierung die großflächigen Rodungen unterstützt, bis zum Ende der 80er Jahre allmählich klar wurde, dass eine weitere Ausbeutung der noch vorhandenen Ressourcen die ökologischen Probleme des Landes erheblich verstärken und zu einem fast vollständigen Verschwinden der Wälder führen würde. Auch die Fauna ist von der Zerstörung der Wälder betroffen, wie z.B. der Elefant. Unzureichende rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen, eine fehlende staatliche Energiepolitik und eine ineffiziente Verwaltung waren in der Vergangenheit kaum in der Lage, den Naturraum langfristig zu schützen. Die jahrzehntelang durchgeführte ökologisch unangepasste landwirtschaftliche Produktion sollte grundlegend angepasst werden. Die Rehabilitierung tropischer Regenwälder, der Schutz der Fauna und damit der Erhalt der Biodiversität in der Elfenbeinküste sind heute von größter Bedeutung für einen langfristigen Ressourcenschutz im Land und auch global von Bedeutung.  

Der Einsatz von Pestiziden und die bestehenden Rodungsmethoden (Brandrodung) werden neuerdings überdacht, so dass sich eine möglichst naturnahe Nutzung der Böden, eine sozialverträgliche Landwirtschaft und auch höhere Erträge, bei gleichzeitiger Erhaltung der Biodiversität, nicht ausschließen müssen. 

Auch die internationale Entwicklungszusammenarbeit beteiligt sich mit unterschiedlichen Projekten und Aktivitäten am Ressourcenschutz und der Förderung eines Miteinander von Natur und Landnutzung. Daneben gibt es auch nationale Bewegungen im Naturschutz. Die Millionenstadt Abidjan hat indessen große Probleme mit toxischen Abfällen, die nicht ordnungsgemäß entsorgt werden und damit große gesundheitliche Probleme verursachen können.  

Die Elfenbeinküste hat seit 1953 acht Nationalparks ausgewiesen, wobei die bekanntesten der Comoé- Nationalpark im Nordosten und der Taï-Nationalpark im Südwesten sind. Mit internationaler Unterstützung versucht man hier, die außerordentliche Biodiversität der Region zu erhalten. Das ist umso mehr bedeutsam, als im Zuge der politischen Unruhen Anfang des Jahrtausends die Nationalparks vermehrt Ziel von Wilderern wurden und illegale Nutzungen bzw. Brandrodungen zunahmen. Gefährdet bis heute sind dabei v.a. der Comoé-Nationalpark und das „Mont Nimba Strict Nature Reserve“. Wildfleisch ist für die armen Bevölkerungsschichten bis heute Einkommensquelle und eine notwendige Ergänzung der Ernährung mit tierischen Proteinen zugleich. Die Eindämmung der Wilderei ist daher nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein sozioökonomisches Problem. Die Elfenbeinküste ist dem Biodiversitätsabkommen 1994 beigetreten und bemüht sich seither sehr um den Naturschutz im eigenen Land. 

Die Elfenbeinküste ist, wie viele andere westafrikanische Länder, deren nördliche Teile die Sahelzone streifen oder ganz in ihr liegen, von der Desertifikation betroffen, v.a. in den trockenen Savannenbereichen. Der Klimawandel trifft auch die Elfenbeinküste. Auswirkungen sind die Zunahme von Überschwemmungen, Dürren und die Verschiebung der Regenzeiten und dadurch der Anstieg von Krankheiten wie Meningitis oder Malaria, die durch die klimatischen Bedingungen begünstigt werden. Die Buschbrände, die zur Rodung von Wald, aber auch traditionell in den Savannenregionen Westafrikas durchgeführt wurden und werden, um den Boden durch die nährstoffreiche Asche fruchtbarer zu machen, sind als ein Faktor im komplexen Zusammenspiel der Desertifikation auch in der Elfenbeinküste zu nennen. Sie finden auch in den Nationalparks statt, wo sie sowohl negative Auswirkungen auf das Mikroklima als auch auf die Bodenfauna haben. Unkontrollierbare Savannenbrände führen häufig zu einer Gefahr von großflächigen Feuern, die außerdem Mensch und Tier bedrohen und häufig Felder und damit die Existenz von Kleinbauern gefährden. 

Die ehemals im gesamten Küstenbereich vertretenen Mangrovenwälder wurden im Zuge der Urbanisierung und der Nutzung der Küste als Aquaressource zu einem großen Teil vernichtet. Das hat z.B. Folgen für die Lagunenregionen, die immer mehr Land durch die Küstenerosion verlieren. Auch hier hat man erkannt, dass die Reste dieses einzigartigen Ökosystems in Zukunft geschützt werden müssen, um die Biodiversität zu erhalten und außerdem positive Aspekte der Mangroven im Bereich des Küstenschutzes zu bewahren.

Als eines der wenigen Länder Afrikas beteiligt sich die Elfenbeinküste 2015 an den Gesprächen zu internationalen Klimaschutzrichtlinien – insbesondere der Reduzierung der Verwendung von Treibhausgasen – und möchte national die Abholzung vermindern. Internationale Unterstützung bei der Durchführung von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel bekommt die Elfenbeinküste von verschiedenen Organisationen und Ländern – ein wichtiger Schritt bei der gemeinsamen Klimaschutzpolitik. Die Elfenbeinküste ist 2013 auch der «Climate and Clean Air Coalition» (CCAC) beigetreten – ein Programm der UNEP für besseren länderübergreifenden Klimaschutz. Mit der internationalen Diskussion über den Klimawandel versucht das Land, seine Bevölkerung für die Schönheit seiner Natur zu sensibilisieren. Die UNEP hat bereits nach den Wahlen 2010 ein Post-Conflict Environmental Assessment Programm (PCEA) aufgelegt, dass alle ökologischen Herausforderungen in Angriff nehmen soll. 

Die Texte stammen vom Länderportal der GIZ, welches vom Netz genommen ist. Verfasser ist Dr. Eva Biele. Die Urheber wurden informiert, dass auf meiner Tourismusseite zur Elfenbeinküste die Inhalte veröffentlicht werden.